Wer sich für das Klima engagiert, kommt irgendwann fast zwangsläufig auf die Idee, das eigene Essen selbst anzubauen. Doch was tun, wenn man in München lebt und der Wohnraum begrenzt ist? Eine spannende Lösung bieten Pilze, die sich auch in den eigenen vier Wänden züchten lassen. Hier handelt es sich sowohl um essbare als auch um trinkbare Varianten.
Am 19. Februar waren wir im Nachbarschaftstreff Mosaik in Laim und haben gelernt, wie man einen Kombucha-Pilz braut. Kombucha, ein fermentiertes Teegetränk mit Wurzeln in Ostasien, ist ein dankbarer Einstieg. Man bekommt einen sogenannten „Pilz“ – eigentlich eine Symbiose aus Bakterien und Hefen – geschenkt. Zu Hause füllt man ein Glasgefäß mit Tee und Zucker und lässt es zusammen mit dem Pilz an einem luftigen Ort stehen. Wichtig ist, keinen festen Deckel zu verwenden, da der Pilz atmen muss. Ein sauberes Tuch über der Öffnung reicht vollkommen aus.

Klingt pflegeleicht – und das ist es auch. Mareike, unsere Expertin aus der Nachbarschaft, führte uns durch den Abend und ließ uns probieren. Nach einigen Tagen kann man den fertigen Kombucha abschöpfen und mit Beeren oder Ingwer in Flaschen für ein paar Tage weiterziehen lassen. Wichtig ist dann nur den Deckel täglich kurz zu öffnen, ansonsten staut sich so viel Kohlensäure an, dass man nach ein paar Tagen eine unfreiwillige „Champagner-Dusche“ in der Küche erlebt!
Etwas anspruchsvoller wird es bei der Indoor-Zucht von Speisepilzen wie Austernseitlingen oder Shiitake. Hier sind Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt, damit am Ende auch wirklich nur die gewünschten Pilze sprießen. Für den Start bieten sich fertige Pilzsets an, um ein Gefühl für die Feuchtigkeit und Temperatur zu bekommen. Fortgeschrittene können sich, ähnlich wie bei der Aufzucht von Tomaten, von der Spore bis zum Fruchtkörper komplett selbst versuchen.

Warum das Ganze? Es ist nicht nur das faszinierende Schauspiel, dem Leben beim Wachsen zuzusehen. Du kannst dich beim Kombucha auch über Probiotika freuen, die das Immunsystem unterstützen, während Speisepilze vor allem durch die hohe Mineralstoffdichte und hochwertige Ballaststoffe punkten. Und das Beste: Dein „Acker“ liegt direkt in der Küche – du sparst dir Plastikverpackungen, Kühlketten und Transportwege.
Lust auf einen eigenen Mitbewohner? Wer Lust auf einen eigenen Kombucha-Pilz hat, kann sich gerne bei uns melden. Am besten über unser Kontaktformular mit dem Betreff „Kombucha“. Wir teilen gerne!
Hier noch das Rezept für 1 Liter Kombucha:
Zutaten
1 Kombucha-Pilz + 100 mL Ansatzflüssigkeit
1 L Wasser
8 g Tee (schwarz oder grün, ca. 2 TL)
90-100 g Zucker
Gärgefäß (Glas, sauber)
Abdecktuch (Baumwolle oder Zellstoff)
Verschlussspanner (Gummiring)
Plastiksieb
Flasche für die Lagerung

Schritt-für-Schritt-Anleitung
Tee zubereiten
1 Liter Wasser aufkochen und 8 g Tee (grün oder schwarz) hinzufügen. Die angegebenen Minuten ziehen lassen. Tee durch ein Sieb gießen und 90–100 g Zucker vollständig auflösen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
Kombucha-Pilz vorbereiten
Den Kombucha-Pilz vorsichtig mit fließendem, kaltem Wasser abspülen. Eventuell dunkle, verfärbte Schichten entfernen. Das Gärgefäß mit heißem Wasser ausspülen.
Gärung starten
Den abgekühlten Tee in das Gärgefäß füllen. Kombucha-Pilz und mindestens 100 mL Ansatzflüssigkeit (fertiger Kombucha) hinzugeben. Mit einem sauberen Tuch abdecken und mit einem Gummiring fixieren. An einen warmen Ort (mind. 21 °C) stellen und 10–16 Tage ruhen lassen – nicht bewegen!
Fertigen Kombucha abfüllen
Nach 10–16 Tagen den Kombucha vorsichtig in Flaschen abfüllen. Mindestens 10 Prozent des Getränks (ideal: 15–20 Prozent) als Ansatzflüssigkeit für die nächste Charge zurückbehalten. Die Flaschen nicht fest verschließen, da das Getränk weiter gärt.
Lagerung und Genuss
Die Flaschen für 1–2 Wochen in den Kühlschrank stellen. Bei 3–6 Tagen Nachgärung im Kühlschrank entsteht besonders viel Kohlensäure – das Getränk wird prickelnd und spritzig. Vor dem Trinken optional filtern, falls gewünscht. ACHTUNG: Einmal pro Tag die Flasche kurz öffnen, damit die überschüssige Kohlensäure entweichen kann.
Pflege des Kombucha-Pilzes
Bei jedem Neuansatz den Pilz abwaschen und das Gärgefäß heiß ausspülen. Falls der Ansatz muffig riecht oder sich keine neue Pilzschicht bildet, den Ansatz entsorgen und den Pilz mit 3 EL Essig pro Liter Tee neu ansetzen.