München

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Steigerwald

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SteigerwaldIn Franken ist ein Nationalpark in Vorbereitung: Steigerwald bei Ebrach
mit geplanten 11.000 ha

Die Planungen laufen seit 2006. Im Juli 2011 hat das Bayerische Kabinett
den Nationalpark erstmal zurückgestellt, da vor Ort einige Nationalparkgegner sich sehr lautstark in den Vordergrund stellten. Die Umweltverbände wie Greenpeace bleiben aber weiterhin bei der Forderung für einen Nationalpark Steigerwald. Auch Bayern muss die Nationale Biodiversitätsstrategie erfüllen und große Schutzgebiete ausweisen. Hierzu bietet sich der Nord-Steigerwald extrem gut an.

Auf 85% der Fläche Bayerns wären Buchenwaldgesellschaften natürlich. Heute sind Buchenwälder nur auf 4,2% der Bayerischen Fläche vertreten. Buchenwälder sind in Bayern nur zu 0,12% unter strengem Schutz. Die Waldgesellschaften des Nordsteigerwaldes wären hierfür repräsentativ. Der Nordsteigerwald ist heute das bedeutendste Restvorkommen von Hainsimsen-Buchenwälder, Waldmeister-Buchenwälder, Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder, Erlen-Eschen-Bachauenwälder, Hangmischwälder und Schluchtwälder in kleinflächigen Mosaiken.

 

Pro Jahr werden weltweit 14 Mio ha Urwaldflächen vernichtet

  • Deutschland hat sich verpflichtet im Rahmen der CBD und der nationalen Biodiversitätsstategie 10% seiner Fläche zu schützen – bislang sind erst 0,6% der Wälder von jeglicher Nutzung ausgenommen
  • Mittel- bis langfristig sind deshalb in Deutschland 1.070.000 ha Waldfläche (10%) total zu schützen
  • Dem öffentlichen Wald (Staatswald und Kommunalwald) kommt hierbei eine besondere Rolle zu
  • Pro Jahr verbaut Deutschland eine Fläche von 44.000 ha durch Siedlungsbau und Infrastrukturerweiterung
  • Waldschutz wird am effektivsten durch Großschutzgebiete wie Nationalparke durchgeführt
  • Deutschland hat eine besondere Verantwortung weltweit für die Rotbuchenwald-Lebensräume

Ein Buchenwald Nationalpark "Nördlicher Steigerwald" mit 11.000 ha wäre ein guter Schritt für die Natur und zum Erreichen der Biodiversitätsverpflichtungen.

 

Steigerwald 2007 Steigerwald, 2007
Bürger aus dem Steigerwald gegen Nationalpark, 2007

Das für einen Nationalpark vorgesehene Gebiet im Steigerwald

  • wurde bereits im Rahmen der Natura 2000 als FFH Gebiet mit Vorrangfläche für zukünftige großflächige Schutzgebiete gemeldet
  • wurde von BfN 1995 als potentieller Nationalpark eingestuft
  • beheimatet extrem alte Buchenbestände die zu den ökologisch wertvollsten in Deutschland gehören
  • ist vollkommen in Besitz des Freistaates Bayern
  • ist durch zwei großen Teilflächen repräsentiert, die jeweils fast komplett zusammenhängend ohne Privat- oder
    Körperschaftswaldungen sind
  • wurde seit Jahrzehnten sehr naturnah durch das Forstamt Ebrach bewirtschaftet
  • ist wenig durch Straßen und Siedlungen zerschnitten
  • eignet sich gut für die Schaffung einer Referenzfläche auf der die biologischen Selbststeuerungsprozesse eines Buchenwaldes großräumig und beispielhaft erforscht wie die gewonnenen Erkenntnisse für die Praxis des naturnahen Waldbaues auch im Vordergrund der Klimaerwärmung genutzt werden können

 

 

Der Forstbetrieb Ebrach 16.800 ha (Bayerische Staatsforsten)

deckt das geplante Nationalparkgebiet (11.000 ha) ab

 

 

 

Forstgeschichte: Steigerwald Buchenblatt
  • bis 9. Jahrhundert weitgehend ungenutzt
  • erste Nutzungshinweise aus 12. Jahrhundert
  • ab 16. Jahrhundert Mittelwaldwirtschaft
  • ab 19. Jahrhundert Hochwaldwirtschaft
  • ab 1900 Buchenstarkholzzucht
  • ab 1972 Naturgemäße Waldwirtschaft

 

Baumstrukturen (Forsteinrichtung 2007):

Baumart Größe Anteil
Buche 6.319 ha 39%
Eiche 3.126 ha 19%
Edellaubbäume 557 ha 3%
Sonst Laubbäume 1.241 ha 8%
Summe Laubbäume 11.243 ha 69%
Fichte 1.531 ha 9%
Kiefer 2.851 ha 17%
Tanne 24 ha 0%
Lärche 636 ha 4%
Douglasie 130 ha 1%
Summe Nadelbäume 5.171 ha 31%

Der Teil des Forstamtes Ebrach der als Nationalpark ausgewiesen soll, besteht überwiegend aus Laubwald. Der Anteil der Fichtenbestände liegt dort unter 5 %. Deshalb ist eine Ausbreitung des Fichtenborkenkäfers (Ips typographus) auch nicht zu beführchten.

 

Waldstrukturen (ist):

Laubwälder > 140 Jahre: 1.400 ha (8,4%)

  • davon Buchenwälder > 180 Jahre: 200 ha (1,2 %)
  • davon Wälder > 160 Jahre: 500 ha im unteren Teil – rund um Ebrach + 50 ha im oberen Teil

Laubwälder < 140 Jahre: 10.300 ha (61,7 %)

Nadelbaumdominierte Wälder: 5.000 ha (29,9 %)

 

Naturraum

  • Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwälder, vermischt mit Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
  • Kolline bis submontane Buchenwälder (Lebensraumtyp 9110 und 9130 der FFH-Richtlinie)
  • Klimadaten: Jahresmitteltemperatur 7 – 8 ° C, Jahresniederschlag ca 850 mm, Höhe: 325 – 520 m NN

Geschützte Säugetiere u.a.:

  • 15 Waldfledermausarten (z.B. Bechsteinfledermaus, Mopsfledermaus, Mausohr)
  • Biber
  • Wildkatze (letzter eindeutiger Nachweis: 2007 wurde Wildkatze bei Großmannsdorf illegal geschossen)

Pilzarten

  • Holzzersetzende Pilzarten 1.100
  • Großpilzarten: Alleine in einem NWR 400 Großpilzarten, darunter 250 an Holz gebundene (z.B. Ästige-, Igel- und Dorniger Stachelbart) nachgewiesen

Totholz

wichtiges Strukturelement für Biodiversität (bsp NWR Waldhaus)

  • 777 m³ lebende Baummasse und 121 m³ Totholz auf einem Hektar
  • 350 jährige Buchen

Xylobionten (an Holz gebundene Insektenarten)

  • 438 xylobionten Käferarten für den nördlichen Steigerwald bekannt

Insgesamt wurden 7 Urwaldreliktarten nachgewiesen (4 davon auch in Wirtschaftswäldern des Steigerwaldes)

  • Ampedus brunnicornis (Schnellkäfer)
  • Hesperus rufipennis (Kurzflügler, galt bis dato in Bayern als verschollen / ausgestorben)
  • Crepidophorus mutilatus (Schnellkäfer)
  • Dicerca berolinensis (Prachtkäfer)
  • Allecula rhenana (Pflanzenkäfer, Nachweise für Bayern nur vor 1950)
  • Osmoderma eremita (Erimit, NWR Waldhaus)
  • Mycetochara flavipes (Pflanzenkäfer, NWR Waldhaus 1996)

Vögel

Es konnten 55 Vogelarten nachgewiesen werden. 16 der nachgewiesenen Vogelarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

 

Steigerwald

 

Steigerwald - schon geschützt?

In dem vorgeschlagenen Nationalgebiet gibt es bereits kleinere Schutzgebiete, wobei die Ausweisung als Naturschutzgebiet nicht unbedingt ordnungsgemäße Forstwirtschaft ausschließt. Der Totalschutz wird durch Naturwaldreservate gewährleistet.

 

Naturschutzgebiete (NSG): ca 249 ha

  • Spitalgrund-Obereres Volkachtal (Erlen-Eschen-Bachauenwälder): 41,6 ha
  • Weihergrund bei Ebrach: 24,5 ha
  • Weilersbach: 93,0 ha
  • Dolinen im Mahlholz: 31,2 ha
  • Schulterbachtal: 31,2 ha
  • Spitzenberg bei Ebrach: 25,0 ha
  • Beschluss 20.12.2010 Landkreis Bamberg 4.100 ha NSG (rund um Ebrach) davon 50 % Prozessschutz (ist aber bislang noch nicht rechtlich umgesetzt)

 

Naturwaldreservat (NWR): 433 ha

  • Waldhaus (09-120) ausgewiesen 1978: 90,7 ha
    Buchenwälder bodensaure Standorte und Erlen-, Ulmen-, Auen- und Feuchtwälder
  • Zwerchstück (09-152) ausgewiesen 1998: 28,4 ha
    (Labkraut Eichen-Hainbuchenwälder) Ei-HBu-Wälder trocken-warmer Standorte u Bu-W bodensauerer
    Standorte
  • Mordgrund (09-156) ausgewiesen 1998: 27 ha
    Bu-Wälder und Wiesentäler
  • Brunnstube (09-121) ausgewiesen 1978: 49,9 ha
    Buchenwälder bodensaurer Standorte, Euchen-Hainbuchenwälder trocken-warmer Standorte
  • Kleinengelein (09-165) ausgewiesen 2010: 53,7 ha
    (Altbestand mit Waldmeister-Buchenwälder) Bu-Wälder basen- bis kalkreicher Standorte
  • Böhlgrund (09-165) ausgewiesen 2010: 183,4 ha
    Bu-Wälder basen bis kalkreicher Standorte, (Hangmischwälder und Schluchtwälder)

 

Weiterführende Links:

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Dezember 2011 um 14:07 Uhr