Bundsandstein-Spessart

Spessart   Spessart
Naturschutzgebiet Rohrberg - Spessart

 

Der Buntsandstein-Spessart wird als notwendiger Handlungsraum für ein Schlüsselgebiet für Natürliche Entwicklung zu einem Rotbuchen-Verbund im Greenpeace Gutachten aufgeführt (Norbert Panek 2011)

Ein besonderer Wald

Spessart Karte

Die Wälder des bestehenden Naturparks Spessart erstrecken sich auf über 200.000 ha und zwei Bundesländer, Bayern und Hessen. Im Spessart findet man noch Wälder, die ansonsten in Deuschland selten geworden sind. Das Gebiet des sogenannten Heisterblocks im Zentrum des bayerischen Spessarts zählt mit seinen über 400-jährigen Eichen und ca. 180-jährigen Buchen zu den ältesten und schönsten größeren Wäldern Mitteleuropas. Hier sieht man die urwüchsige Schönheit, die Wälder auszeichnet, die natürlich alt geworden sind. Während die meisten deutschen Wälder durch drastische Eingriffe des Menschen wenig mit ursprünglichen, natürlichen Wäldern zu tun haben, ist im Spessart noch der größte Teil der Wälder in einem naturnahen Zustand.

Auch im Greenpeace Gutachten von 2011 wird der Spessart als eines der Gebiete hervorgehoben, das eine zentrale Rolle im Verbundschutz der Rotbuche spielen sollte. Der Bundsandstein-Spessart umfasst einen 189.000 ha großen Naturraum, bewaldet überwiegend mit Buchen- und Eichenwäldern. Der Greenpeace-Suchraum für den Schutz eines Waldgebietes von über 15.000 ha befindet sich im Bereich der Forstbetriebe Rothenbuch (17.000 ha) und Heigenbrücken (17.000 ha). Der Handlungsraum beinhaltet einen großen Suchraum (ca 15.000 ha) mit der unzerschnittenen Kernfläche Klosterkuppel (5.900 ha), Forstbetriebsfläche Rothenbuch mit hohen Buchen-Altholzanteilen und Naturwaldreservat Rohrberg. Für die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie die beschlossen hat bis 2020 eine Ausweisung von 10 % von nutzungsfreien Waldflächen im öffentlichen Besitz durchzuführen würde der Spessart aufgrund der hohen biologischen Wertigkeit ein potentielles Gebiet hierfür darstellen.

 

 

Artenvielfalt wie im Urwald
In Wäldern wie denen im Spessart fühlen sich auch seltene Tier- und Pflanzenarten wohl. In den jungen Wirtschaftswäldern, die den Großteil unseres Buchengebietes bedecken, finden sie keinen Lebensraum mehr. Auch Wissenschaftler identifizieren den Spessart als einen besonderen Hotspot der Artenvielfalt, zum Beispiel für Waldvögel. Dies sieht man zum Beispiel am Naturwaldreservat (NWR) Eichhall im Spessart. Seit wenigen Jahren steht das Gebiet unter Schutz. Mittlerweile lässt sich die Vogelwelt des Eichhalls mit der in den Urwäldern im Polnischen Bialowieza vergleichen. Zahlreiche Spechtarten finden im "Spechthaard", dem Spessart, ideale Lebensbedingungen. Auch der scheue Schwarzstorch brütet seit einigen Jahren hier.

Auch eine große Anzahl Fledermausarten findet im Spessart ihren Lebensraum, oft leben Kolonien von über 100 Fledermäusen in einem einzigen ausgehöhlten Baumstamm.


Urwaldreliktarten

Eremit im Spessart

Die Spessart-Wälder sind auch ein Paradies für die kleinen Bewohner des Waldes: der Käfer. Der Spessart hat eine große Artenvielfalt. Insbesondere Seltenheitswert haben die hohen Tot- und Altholzanteile. Mehr als ¾ der Fläche im Teil Rothenbuch sind mit naturnah zusammengesetzten Laubholzbeständen bestockt. Auf 28% befinden sich alte naturnahe Laubholzwälder, die älter sind als 140 Jahre. Davon sind 960 ha sogar älter als 180 Jahre. 350 ha Eichenwälder, die schon mindestens 300 Jahre alt sind. In dieser Dimension ist das für Bayern einmalig. Die alten Wälder des Hochspessarts sind ein einzigartiger Lebensraum für laubwald-gebundene Arten - inkl. 12 Urwaldreliktarten. 394 verschiedene, auf Totholz angewiesene (xylobionte) Käferarten wurden nachgewiesen, darunter vom Aussterben bedrohte Arten wie der Eremit (Osmoderma eremita, auch Juchtenkäfer genannt, eine Urwaldreliktart). Er lebt in den Höhlen alter Bäume und ist auf den Mulm angewiesen, der sich aus verrottetem Holz bildet. Dieser Käfer kommt nur in urwaldähnlichen und sehr naturnahen Wäldern vor und kann in naturfernen jungen Wirtschaftswäldern mit geringer Totholzdichte nicht überleben.

 

Was steht bereits unter Schutz?

Bislang gibt es nur wenige kleine Schutzgebiete - Naturwaldreservate (NWR), Naturschutzgebiete (NSG) wie

  • NSG-Hafenlohrtal, 71 ha seit 1988
  • NSG Metzgergraben – Krone, 7 ha seit 1992. Alleine hier wurden 167 xylobionte Käferarten in den am Hang liegenden Reste eines ehemaligen lichten Eichen-Buchen-Mischwaldes gefunden. Der Eichenanteil ist hier sehr hoch und es gibt einzelne Methusalembäume – Alteichen bis über 600 Jahre
  • NSG/NWR Eichhall, 72 ha, seit 2002 Einstellung der Holznutzung und 2005 Unterschutzstellung. Ist ein kleiner Rest ehemals 500 ha großen Eichenwaldes (Eichenheisterblock). Hier wurden 222 xylobionte Käferarten – davon 80 stark gefährdete Arten - gefunden. Es ist ein Rückzugsraum für den bekannten Hirschkäfer und den Eremiten
  • NSG Rohrberg, 9 ha seit 1979. Mit den ersten Unterschutzstellungen im Jahre 1928 ist es das älteste bayerische Schutzgebiet. Es beinhaltet den ältesten Bestand lichter Eichenwälder mit Einzelexemplaren zwischen 500 und 800 Jahren. Unter den 167 xylobionten Käferarten wurden 10 Urwaldreliktarten hier nachgewiesen
  • NSG/NWR Hoher Knuck, 121 ha seit 1952
  • NSG Weihersgrund, 42 ha seit 1998
  • NSG Auenwald bei Erlenfurt, 10 ha seit 1991
  • NWR Gaulkopf, 62 ha
  • Fast das gesamte Gebiet wurde ausserdem als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) der EU unter Natura2000 gemeldet. Das FFH-Gebiet Hochspessart (Gebietsnummer: 6022-371) hat eine Fläche von 17.415 ha mit dem Ziel des Erhalt bzw. Wiederherstellung der großflächigen bodensauren Buchenwälder des Bundsandsteins im Spessart. Besonders wichtig sind unzerschnittene, störungsarme, strukturreiche, alt- und totholzreiche Wälder (insbesondere Laubwälder) mit einem ausreichend hohen Angebot an Baumhöhlen und natürlichen Spaltenquartieren - die erhalten werden sollen. Diese Lebensräume sind besonders wichtig für die seltene Bechsteinfledermaus, Große Mausohr, Hirschkäfer und Eremit

Nur in den Naturwaldreservaten (NWR) wurde der Holzeinschlag komplett eingestellt. Naturschutzgebiete (NSG) können - je nach individueller Verordnung - auch genutzt werden. Teilweise wird hier aus Gründen spezielle Arten zu erhalten, sogar eingegriffen; Beispielsweise durch Offenhalten von wertvollen Wiesen, wie im NSG Hafenlohrtal. Bei FFH-Gebieten ist Nutzung grundsätzlich erlaubt, es gibt nur ein Verschlechterungsverbot auf Basis des angegebenen Schutzzieles. Ein Naturpark hat keinerlei Auswirkung auf die Holznutzung - Bei Naturparken steht Tourismus, Erholung, Kulturlandschaftsschutz und Bildung im Vordergrund - im Gegenteil zu Nationalparken wo die natürlichen Prozesse auf großer Fläche Vorrang haben.

 


Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten (BaySF)

Die Bayerischen Staatforsten bewirtschaften als Anstalt des öffentlichen Rechts 754.546 ha Wald der im Besitz des Freistaates Bayern ist. Dieser Wald ist nachdem eigenen Naturschutzkonzept der BaySF klassifiziert.

Klassifizierung der Wälder nach BaySF:

Klasse 1

  • Auswahl: Buchenbestände > 180 Jahre, Eichenbestände > 300 Jahre
  • Maßnahmen: Hiebsruhe von Flächen < 1 ha, Ausnahme besonders wertholzhaltige Stämme (wenn nicht gleichzeitig ökologisch besonders wertvoll (z.B. Spechthöhle))
  • Langfristige Sicherung: Nur durch Forstbetriebseinrichtung ausgewiesen. Keine öffentliche Bekanntgabe der Flächen. Keine Ausweisung als NSG/NWR. Aber NWR/NSG werden in Klasse 1 Wälder ggf. mitgezählt
  • Im Forstbetrieb Rothenbuch wurden im Jan2012 auch Einschläge "Wertholznutzung" in Buchenbeständen > 180 Jahren durchgeführt. Da diese nicht langfristig aus der Nutzung genommen werden

Klasse 2

  • Auswahl: Laubholzbestände > 140 Jahre
  • Ziel: Totholzziel von 40 Vfm/ha wird angestrebt; sowie im Durchschnitt 10 Biotopbäume/ha innerhalb 20 – 30 Jahren

Klasse 3

  • Auswahl: Naturnah bestockte Bestände < 140 Jahre
  • Ziel: Totholzziel von 20 Vfm/ha wird angestrebt für Bestände > 100 Jahren, sowie im Durchschnitt 10 Biotopbäume/ha innerhalb 20 – 30 Jahren

Klasse 4

  • Auswahl: Naturferne Bestände
  • kein messbares Totholzziel

Im Vergleich des Forstamtes Rothenbuch (Spessart) mit dem Forstamt Ebrach (Steigerwald) bzw. mit dem Gesamtwald der BaySF wird augenscheinlich:

  • Der Forstbetrieb Rothenbuch (Spessart)hat bayernweit überdurchschnittlich sehr alte (>180 Jahre) und alte (> 140 Jahre) Wälder sowie naturnahe Laubwälder
  • Der Forstbetrieb Ebrach (Steigerwald) hat überdurchschnittlich naturnahe Laubwälder und höheren Anteil Wälder > 140 Jahre gegenüber der BaySF-Waldfläche
  • Der Forstbetrieb Rothenbuch (nur 2 % der bayerischen Staatswaldfläche) beherbergt aber 14 % der sehr alten Wälder und 11 % der alten Wälder (> 140 Jahre) der BaySF-Waldfläche

 Spessart Klassifierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis zur Erfüllung der Ziele aus der Nationalen Biodiversitätstrategie fordern Greenpeace und andere Umweltverbände einen Einschlagsstopp in Laubwäldern die älter als 140 Jahre sind und sich im öffentlichen Eigentum befinden. Davon am stärksten betroffen sind die Gebiete Spessart und Steigerwald


Historische Nutzung des Spessarts

Der Spessart liegt im größten Teil des unteren Buntsandsteines. Der natürliche Waldlebensraum sind artenarme acidophile Rotbuchenwälder (Luzulo Fogions). Die Eiche besiedelt in erster Linie die sonnseitigen und wärmeren Standorte. Dort wird sie von der Buche begleitet. Auf schattseitigen Hängen tritt die Buche fast im Reinbestand auf. Neben Buche und Eiche kommen auch noch häufig Hainbuchen und viele Edellaubholzarten vor. Das Kerngebiet – das heutige Forstamt Rothenbuch - war vom Jahre 1011 Besitz der Kurmainzer Erzbischöfe, bis nach Napoleons Niederwerfung der Besitz 1814 an das Königreich Bayern ging und seit dem bayerischer Staatswald ist. Geregelte Forstbewirtschaftung findet etwa seit 1330 statt. Die Hauptnutzungsarten waren Holznutzung für die im 15 Jahrhundert entstehenden Glashütten, sowie Holznutzung der umliegenden Bevölkerung. Aber auch Waldweide (Schweinemast) und Jagd waren von hoher Bedeutung. Auf die Eichen wurde sehr viel wert gelegt, da sie wichtig für die Mast waren. 1526 wurde die Plenternutzung eingeführt, aber schon 1604 fand der Übergang zur schlagweisen Forstwirtschaft (Kahlschlag, Schirmschlag) statt. Erste Ansätze zu Holzpflege und Durchforstung gab es ab 1666 aufgrund der überhöhten Nutzung besonders auch in den Kriegszeiten und der anschließend nur spärlich aufwachsenden Verjüngung (durch enormen Wildverbiss und Waldweide). 1790 wurden bei einer Forstinventur 1.249 ha (28 %) des Revier Rothenbuchs alte Bestände (Hauptsächlich Eichenwälder und gemischte Buchen/Eichenwälder) festgestellt. 32 % der Fläche (1.401 ha) war allerdings maximal 20 Jahre alt.

1888 wurde die Bodenreinertragslehre in den Spessart getragen mit dem Ziel verstärkt Nadelholz (50%) anzubauen. Zur gleichen Zeit wurde aber auch der Femelschlag (also Nutzung kleiner Baumgruppen) eingeführt.1953 stockt die Fichte etwa auf 17% der Fläche und die Eiche etwa 23%.

Es gab auch enorm aufwendige Hofjagden. Für die Jagdfrohndienste, die die Bevölkerung durchzuführen hatte gab es als Ausgleich viele Waldnutzungsrechte die gewährt wurden. So entstanden hier die speziellen „Spessartoberholzrechte“ – die der Bevölkerung Eigenbedarf an Brennholz sichern sollte. Bis heute ist ein Großteil der Staatsfläche mit solchen Rechten belastet. Nach forstlichen Einschlägen dürfen dort dünne Äste (< 4,5 cm) für den Eigenbedarf unentgeltlich durch die Anwohner genutzt werden.


Aktuelle Greenpeace-Kampagne im Spessart

Februar 2012: Greenpeace eröffnet Waldcamp zum Dokumentieren der Buchenwälder im Spessart

Erster Zwischenbericht - Gravierende Verstöße in dem Buchenwald-FFH-Gebiet festgestellt z.B. Unterpflanzung von Buchenbeständen mit Douglasien und Kahlschläge in Buchenbeständen zur Eichensaat

März 2012: Greenpeace veröffentlicht Luftbilder von Kahlschlägen im Spessart

April 2012: Gutachten zu Douglasienpflanzung in FFH-Gebieten
Greenpeace stellt während der Monitoring-Aktivitäten Verstöße gegen EU Recht fest und reicht eine offizielle Beschwerde bei der EU ein
Greenpeace Abschlussbericht des Monitorings im Spessart

Mai 2012: Wie kann eine Bewirtschaftung und der Schutz der Spessart-Wälder durchgeführt werden - Ein Diskussionspapier von Greenpeace stellt die Eckpunkte vor
Offener Brief von Greenpeace an die Spessart-Förster
Erste Zugeständnisse der Forstverwaltung/BaySF. Die Douglasienpflanzung wird im Spessart im FFH-Laubwald gestoppt

Mai/Juni 2012: Erste Klasse-1 Wälder (Buchenwald > 180 Jahre bzw. Eichenwald > 300 Jahre) in Bayern werden veröffentlicht - darunter auch die Spessart-Forstämter Rothenbuch, Heigenbrücken und Hammelburg (Karte der BaySF)

Juni 2012: Einschlagstopp für Klasse-1 Wälder im Spessart! Immerhin betrifft das im Spessart neben bereits als Naturwaldreservat ausgewiesenen Flächen (370 ha) weitere 1.487 ha Klasse-1 Wälder

Oktober 2012: Greenpeace setzt die Kartierung im Forstbetrieb Rothenbuch und Heigenbrücken (Spessart) fort

November 2012:  Greenpeace veröffentlicht geheimgehaltende Forstkarten
Greenpeace stoppt Einschlag in 180 jährigen Buchenbeständen
Hier können Sie aktiv werden - übernehmen Sie eine Baumpatenschaft


Lesen Sie mehr:

Der bayrische Spessart:
Unsere Urwälder von morgen
Hintergrund: Die Douglasie - Retterin in der Not? (PDF) Der Anbau der Douglasie ist vor dem Hintergrund des Klimawandels und des fortschreitenden Verlusts der Artenvielfalt nicht zu rechtfertigen
 

Weiterführende Informationen zum Spessart:
Bürgerbewegung: www.Freunde-des-Spessarts.de
www.spessart-wald.de

Quellen