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Start Themen Wald / Papier Urwald Die Regenwälder Südostasiens

Palmöl

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Palmöl

Die Bedeutung von Palmöl hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Insbesondere der wirtschaftliche Aufschwung in China und Indien schürte die Nachfrage auf dem Lebensmit-telsektor. Aber auch die politischen Ziele hinsichtlich der geforderten Beimischungsquoten von Agrodiesel eröffneten ein gewaltiges Potenzial. Dabei stieg auch Deutschlands Durst nach Palmöl auf derzeit ca. 1 Mio. t Importvolumen an (Stand 2008). Inzwischen hat Palmöl einen Anteil von mehr als einem Drittel an der weltweiten Pflanzenölproduktion und ist mit über 40 Mio. t Jahresproduktion zum wichtigsten Pflanzenöl der Welt geworden. Der über-wiegende Anteil stammt aus Malaysia und Indonesien. Während in Malaysia die Kapazitäten allmählich an Grenzen stoßen, kann Indonesien deutlich höhere Wachstumsraten vorweisen und ist mittlerweile größter Produzent weltweit. Doch die Entwicklung vor Ort gibt Anlass zu größter Sorge. Für den Anbau von Ölpalmen werden die Regenwälder und Torfmoorgebiete gerodet, die Artenvielfalt vernichtet, die Ureinwohner und Kleinbauern vertrieben, der Was-serhaushalt und die Böden massiv geschädigt und das Weltklima angeheizt.

Eigenschaften und Verwendung

Frucht der Ölpalme

Palmöl ist reich an Vitaminen, Carotinen und Olefinen (günstigere Energiebilanz als Raps). Es ist bei Zimmertemperatur fest. Palmöl wird vorwiegend in der Lebensmittelindustrie ver-wendet, hat aber aufgrund seiner Eigenschaften ein vielseitiges Einsatzspektrum:

  • Lebensmittel: Knorr Tütensuppe, Nestlé KitKat und Lion-Riegel, Langnese Eis, Bahlsen-Kekse, Prinzenrolle, Toffifee, Maggi-Produkte, Rama und Lätta von Unilever, Nutella, Milchnahrung von Milupa usw.
  • Kosmetika: Nestlé, Beiersdorf Nivea-Creme, Schwarzkopf, Dove-Seife von Unilever, Lotion von Penaten, Olaz-Tagescreme, Labello, Haarspülungen von L’Oreal, Shampoos von Wella
  • Waschmittel: Ariel, Persil, Frosch, Spee, Terra Aktiv von Henkel
  • Energetische Nutzung als Agro-Diesel oder in Blockheizkraftwerken

 

 

 

Die Problematik

Keine Firma kann derzeit garantieren, dass das eingesetzte Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt!

Regenwaldrodung auf Sumatra

Die Ölpalme ist gegenüber anderen Pflanzen sehr ertragreich. Allerdings benötigt sie tief-gründige, gut drainierte Böden bei gleichmäßig feucht-warmem Klima. In Indonesien werden hierfür riesige Urwaldflächen (meist illegal) gerodet und Torfmoorböden trockengelegt. Der Palmölboom trug maßgeblich dazu bei, dass Indonesien heute das Land mit der am schnellsten voranschreitenden Urwaldzerstörung geworden ist. Hierdurch rangiert das Land inzwischen auf dem dritten Platz, nach China und USA, der weltweit größten Treibhausgasemittenten. Die Umwandlung von Torfböden hat gravierende Umweltauswirkungen. Sie voll-zieht sich normalerweise in drei Stufen:

  1. Zuerst werden die wertvollsten Bäume zur Holznutzung gefällt.
  2. Ein Netzwerk von Kanälen wird angelegt, um die Stämme abzutransportieren und den Torf zu entwässern, so dass Plantagen angelegt werden können. Besonders die-se Torfentwässerung führt zu gravierenden CO2 Emissionen. Denn wird die abge-storbene organische Substanz in den Torfböden wieder der Luft ausgesetzt, setzt der Verrottungsprozess ein. Über Jahrtausende gespeicherter Kohlenstoff oxidiert mit Sauerstoff, wodurch ein Hektar entwässerter Torfboden ohne Brandrodung pro Jahr rund 100 t klimaschädliches CO2 freisetzt – ca. 10 Mal so viel, wie der Durchschnitts-deutsche im Jahr verursacht.
  3. Der verbliebene Wald wird gefällt, wodurch der Torf weiter austrocknet und mehr CO2 entweicht. Der ausgetrocknete Torf der entwässerten Moore ist leicht entzündlich. Manchmal wird der Restwald abgebrannt, damit der Boden für die Palmsetzlinge we-niger sauer ist.

 

Klimaauswirkungen

Brandrodung in Indonesien

Mehr als 80% der Torfböden Südostasiens liegen in Indonesien. Über ein Viertel der Ölpalm- und Akazienplantagen in Indonesien sind auf Torfböden gepflanzt. Inzwischen wurde er-kannt, dass es sich bei den Torfmoorböden um wahre Kohlenstoffbomben handelt und ge-setzlich die Umwandlung bei Torftiefen von mehr als drei Metern verboten. Und dennoch werden jedes Jahr im indonesischen Torfland durch Degradierung der Wälder und Brandro-dung 1,8 Milliarden Tonnen Treibhausgas-Emissionen freigesetzt. Das heißt, fast 4% des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen von weniger als 0,1 % der globalen Landmasse aus. Da-mit belastet die Produktion von einer Tonne Palmöl die Umwelt mit bis zu 33 t CO2. Dies macht den Einsatz von Agrosprit, welcher ursprünglich als Beitrag zum Klimaschutz gemeint war, zum Klimakiller.

 

 

 

 

 

 

Menschenrechtsverletzungen

Penan

Hinzu kommt, dass in den Gebieten vieler Ölpalmen-Plantagen die Landrechte nicht geklärt sind. Kleinbauern und indigene Gruppen, die von Fischfang, Landwirtschaft und vom Urwald gelebt haben, werden oft mit Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben oder müssen sich als Billig-arbeitskräfte auf den Plantagen verdingen. Gemäß der internationalen Arbeitsorganisation ILO sind die Arbeitsbedingungen auf Palmölplantagen im Allgemeinen als katastrophal zu bewerten.

Artensterben

Orang-Utan, Borneo

Nach Brasilien ist Indonesien das Land mit der größten Artenvielfalt der Erde. Durch die Ro-dung des Regenwaldes wird die Lebensgrundlage vieler vom Aussterben bedrohter und en-demischer Arten wie Orang-Utans, Sumatra-Tiger, Dschungeladler oder Java-Nashörner vernichtet.

Die Palmölindustrie

Palmölplantage, Provinz Riau

Der globale Handel mit indonesischem Palmöl läuft überwiegend über Händler, die in Singa-pur ansässig sind und zum Teil enge Verbindungen zur indonesischen Landesregierung haben. Gleich voran steht Sinar Mas als einer der größten Palmölproduzenten, der einen hohen Anteil der bisherigen Urwaldzerstörung zu verantworten hat. Der Konzern missachtet internationale Standards und indonesisches Recht, ist an Landkonflikten beteiligt, rodet für Plantagen wertvolle Regenwälder in Orang-Utan-Gebieten, hat massive Expansionspläne und weigert sich, einem Stopp der Entwaldung zuzustimmen.

Aber auch die weltweit größten Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Agrokraftstoffkonzerne trei-ben mit ihrem wachsenden Bedarf an Palmöl die massive Zerstörung von Torfgebieten und Regenwäldern voran. Allein Nestlé, der größte Nahrungsmittel- und Getränkehersteller der Welt, hat seinen Bedarf an Palmöl in den letzten drei Jahren auf 320.000 Tonnen verdoppelt.

Ausblick

Prognosen zufolge soll sich die Nachfrage nach Palmöl vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2030 verdoppeln und bis 2050 sogar verdreifachen. Hält der gegenwärtige Trend an, werden in den kommenden Jahrzehnten fast alle Wälder in den südostasiatischen Torfgebieten trockengelegt sein. Dies hätte einen immensen Anstieg der CO2 Emissionen zur Folge. Gleichzeitig müssen wir im Kampf gegen den Klimawandel versuchen, den globalen Temperatur-anstieg bis Ende des Jahrhunderts auf maximal 2°C gegenüber dem vorindustriellem Niveau zu beschränken.

Greenpeace fordert

  • Beendigung der Regenwald-Abholzung für Palmölplantagen. Ebenso wird ein Stopp der indonesischen Torflandbrände und ein Moratorium für die Umwandlung von Torfland gefordert. Das degradierte Torfland in Indonesien ist wiederherzu-stellen.
  • Einen internationaler Urwaldfonds, in den die Industrienationen einzahlen. Zum Schutz der Urwälder brauchen wir einen internationalen Finanzierungsmechanis-mus. Das Geld soll für Schutzgebiete und Monitoringsysteme verwendet werden. Auch müssen Menschen vor Ort Einkommensmöglichkeiten alternativ zu indus-trieller Holzwirtschaft und Monokultur erhalten.
  • Kooperationsbereitschaft seitens der Industrie: Europa und die USA müssen ihre Nachfrage nach Palm- und Sojaöl als Zusatzstoff verringern und eigene Alternati-ven finden.
  • Strom aus Palmöl darf nicht länger über das „Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)“ subventioniert werden! Die Zahl der Palmöl-Kraftwerke hat sich besonders in den vergangenen Jahren sprunghaft erhöht, da die Subventionierung der Palmöl-Blockheizkraftwerke im mehrstelligen Millionenbereich pro Jahr liegt.
  • Angesichts der Hungerkrise und der Klimaerwärmung muss die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Beimischungsquote von Agro-Sprit zum Kraftstoff ab-geschafft werden.
  • Künftig muss mit international vereinbarten Nachhaltigkeitsstandards für die Pro-duktion von Biomasse und mit der Zertifizierung von Biokraftstoffen sichergestellt werden, dass sowohl ökologische als auch soziale Belange beachtet werden.

Was können Verbraucher tun

Produkte mit Palmöl

  • Lesen Sie auf der Verpackung Ihres Lieblingsprodukts pflanzliches Fett/Öl, könnte es sich auch um Palmöl handeln. Fragen Sie den Hersteller, ob dieser Rohstoff eingesetzt wird. Wenn ja, können Sie die Firma gleich auffordern, kein Palmöl aus Urwaldzerstörung zu be-ziehen. Stoßen Sie auf Widerstand, können Sie auf Produkte mit anderen Pflanzenölen (Oli-ven-, Sonnenblumenöl) zurückgreifen.
  • Lassen Sie sich nicht abspeisen mit dem Verweis auf den RSPO (Runder Tisch für nachhal-tiges Palmöl), einer freiwilligen Zertifizierungsorganisation der Industrie. Dessen Kriterien sind zu schwach und die Mitglieder des RSPO halten selbst die schwachen Standards nicht ein. Die Firmen des RSPO tun nicht genug, um die Urwaldvernichtung in Indonesien zu stoppen.
  • Um sicher zu sein, keine Waren aus Urwaldzerstörung zu kaufen, greifen Sie am besten zu Bioprodukten und fragen bei Herstellern nach Produkten ohne Palmöl.
  • Fordern Sie Politiker und Unternehmen auf, sich für einen sofortigen Stopp der Urwaldver-nichtung in Indonesien einzusetzen. Beteiligen Sie sich an der Mitmach-Aktion „Palmöl gehört nicht in den Tank“

Weitere Informationen

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 15. Oktober 2015 um 10:43 Uhr