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Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark ist zu hinterfragen

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Nationalpark Bayerischer Wald muss den Schutz der natürlichen Prozesse verstärken und die Naturzone erweitern
Kahlschlag zur Bekämpfung des Borkenkäfers im bayerischen WaldKahlschlag zur Bekämpfung des Borkenkäfers im bayerischen Wald

Natürliche Prozesse zu schützen, zu erforschen und dem Menschen zu vermitteln sind die wichtigsten Prinzipien eines Nationalparks. Auch im 24.222 ha großen Nationalpark Bayerischer Wald — dem ältesten und einem der anerkanntesten Nationalparks Deutschlands wird versucht, die internationalen Prinzipien umzusetzen. Aktuell findet nur auf 1,1 % der deutschen Waldfläche der Schutz der natürlichen Prozesse statt.

Dass die Umsetzung von Natur - Natur sein lassen schwer ist, sieht man an der Diskussion um den Borkenkäfer. Der Borkenkäfer ist Teil der Natur und auch ein flächiges Zusammenbrechen einzelner Waldbestände durch Wind oder durch Käferkalamitäten gehört zu den natürlichen Prozessen. Der Fichten-Borkenkäfer (Ips typrographus) wird zudem im Bayerischen Wald durch warme Wetterperioden in den letzten Jahre begünstigt, und so konnte er größere Fichtenbestände zum Absterben bringen. Im Nationalpark — so lehrt auch die Erfahrung aus dem Bayerischen Wald — regeneriert sich unter den abgestorbenen Fichten wieder die Natur und neue Bäume wachsen unter dem Schutz der Alten nach. Dies lässt sich anschaulich rund um den Lusengipfel beobachten.

Die streng geschützte Naturzone des Nationalparks Bayerischer Wald soll bis zum Jahr 2027 auf 75 % der Fläche wachsen. Bislang ist etwas über die Hälfte der Nationalparkfläche (12.266 ha) als Naturzone ausgewiesen. Auf etwa 6.000 ha Wald rund um den Falkenstein muss nach der heute gültigen Nationalparkverordnung noch Borkenkäferbekämpfung stattfinden, obwohl diese Fläche sukzessive in die Naturzone bis 2027 überführt wird.

Eine effektive Borkenkäferbekämpfung bedeutet zügige Baumentnahme und ist auf größerer Fläche gleichbedeutend mit einem Kahlschlag. Kahlschläge sind für das Ökosystem sehr negativ und auch für den Wasserhaushalt eine extreme Belastung. Eine natürliche Wiederbewaldung findet auf Kahlflächen außerdem langsamer statt, als wenn ein Fichtenbestand abstirbt und die Bäume auf der Fläche belassen würden. In den Jahren 2008 und 2009 wurde der Borkenkäfer im Nationalpark durch große Kahlschläge aufgehalten, und damit große Schäden wie z.B. Bodenschäden hinterlassen. Wie sich die weitere Ausbreitungssituation in den nächsten Jahren entwickeln wird, hängt auch vom Wetter ab.

In dem Nationalpark Bayerischer Wald sollte die Forschung und Beobachtung natürlicher Prozesse, insbesondere die Borkenkäferausbreitung, noch weiter erforscht werden, um auch für die Wirtschaftswälder unter den klimatischen Veränderungen Erkenntnisse für den zukünftigen Waldbau zu erhalten, sagt Volker Oppermann, Waldexperte der Greenpeace-Gruppe München. In den Waldbeständen rund um den Falkenstein muss die Borkenkäferbekämpfung eingestellt werden und die Naturzone so schnell wie möglich auf 75 % erweitert werden. Wartet man erst bis zum Jahr 2027, so wird ein großer Teil der zukünftigen Naturzone kahlgeschlagen werden müssen. Und damit ist die ökologische Qualität der Fläche im Nationalpark gemindert, ohne dass wirklich etwas Sinnvolles erreicht wurde. Die Borkenkäferbekämpfung sollte sich ausschließlich auf die Nationalpark-Randzone zu den angrenzenden Privatwäldern konzentrieren, so Oppermann weiter.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. November 2009 um 11:07 Uhr