Presseerklärung vom 13. April 2006
Greenpeace informiert mit Videopräsentation über vom Aussterben bedrohte Schildkröten
Gruppe München zeigt aktuelle Filmaufnahmen aus Indien: 13.04.2006 ab 12:00 Uhr am Sendlinger-Tor-Platz
München, 13. April 2006 - ab 12:00 Uhr ist die Münchner Greenpeace Gruppe am Sendlinger Tor Platz in München und zeigt mit einer 20 minütigen Filmdokumentation vom Aussterben bedrohten Schildkröten. Der Film beeindruckt außerdem mit Bildern, die die Schönheit unserer Ozeane widerspiegeln. Mit dabei ist Gerda Büttner, Sprecherin des Team50plus von Greenpeace München und eine der Aktivistinnen die erst vor kurzem aus dem internationalen Camp in Indien zurückgekehrt ist.

Fünf ehrenamtliche Mitglieder des Team50plus hatten sich für drei Wochen in das Greenpeace-Schildkröten-Camp in den indischen Bundesstaat Orissa aufgemacht. Dort haben sie die indischen Greenpeace-Kollegen und weitere internationale Helfer bei ihren Bemühungen um den Erhalt der gefährdeten Olivgrünen Bastardschildkröten unterstützt.
Um den Lebensraum dieser urtümlichen Meeresreptilien zu erhalten, gibt es seit Januar 2006 das von Greenpeace Indien initiierte Turtle Witness Camp. In diesem Zeltcamp, ohne Strom und fließend Wasser, haben die Team50plus-Mitglieder zwischen dem 7. und dem 26.März 2006 gewohnt und sich engagiert. An der Küste Orissas befinden sich drei der wichtigsten Nistplätze der Olivgrünen Bastardschildkröten. Diese gilt es zu schützen und zu erhalten, denn die Meeresschildkröten von Orissa sind bedroht: Sie sterben als Beifang in den Netzen der lokalen Küstenfischer und ihr Lebensraum wird durch Öl- und Gasbohrarbeiten vor der Küste verschmutzt.
Aber es soll noch schlimmer kommen: die Nistplätze sollen einem Hafenausbau weichen. Der indische Stahlgigant Tata plant dort den Bau eines großen Hafens für den Im- und Export von jährlich sechs Millionen Tonnen Stahl. Doch die Strände von Orissa besitzen für den Fortbestand der Olivegrünen Bastardschildkröte eine besondere Bedeutung: Genetische Studien deuten darauf hin, dass sich hier die Urzelle für den heutigen weltweiten Bestand dieser Art befindet. In manchen Nächten legen dort mehr als 10.000 Schildkröten ihre Eier ab.
Schildkröten weilten bereits auf der Erde, bevor es Dinosaurier gab. Ihre hervorragende Anpassungsfähigkeit hat ihr Fortbestehen bis in die heutige Zeit sichern können. Doch durch menschliche Einflüsse sind sie akut bedroht. Innerhalb von nur 30 Jahren haben es die Menschen geschafft diese einzigartigen Urtiere fast auszurotten (UNEP 2004).
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2006 zum Jahr der Schildkröten ausgerufen und im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) sind mittlerweile alle Meeresschildkröten-Arten im ersten Anhang gelistet. Das bedeutet den höchsten Schutzstatus für die Meeresreptilien und soll beispielsweise den Handel mit Schildkröten und aus ihnen gewonnenen Produkten unterbinden. Die Olivegrüne Bastardschildkröte ist darüber hinaus durch den indischen Wildlife Protection Act von 1972 geschützt. Daraus resultiert ein Schutzgebiet vor der Küste Orissas, doch es wird bislang weder beachtet noch kontrolliert. Damit sich das ändert, ist Greenpeace vor Ort.




