Presseerklärung vom 14.11.98
Nestlé genmanipuliert - Gentechnik im real-Markt in München!
München, den 14.11.98, 11.00 Uhr. Mitglieder der Greenpeace Gruppe München protestieren heute vor dem real-Großmarkt, der bis gestern unter dem Namen "Suma" firmierte, im Euro-Industriepark gegen die schleichende Einführung gentechnisch manipulierter Lebensmittel. Die Kunden werden durch ein Transparent mit der Aufschrift "Nestlé genmanipuliert - Achten Sie auf das Kleingedruckte" auf Nestlé-Genfood bei real aufmerksam gemacht. Gleichzeitig verteilen die Umweltschützer Lupen an die Kunden, damit diese in der Lage sind das Kleingedruckte zu lesen und kennzeichnen die genmanipulierten Artikel mit Aufklebern "Achtung genmanipuliert". Die Kunden können außerdem selbst aktiv werden und den Marktleiter mit Hilfe einer Protestkarte auf ihre ablehnende Haltung zur Gentechnik hinweisen.
Greenpeace hat herausgefunden, daß der real-Markt Schokoriegel der Firma Nestlé anbietet, die gentechnisch manipulierten Mais aus den USA enthalten. Der Hersteller Nestlé ist gesetzlich dazu verpflichtet, auf die gentechnische Manipulation hinzuweisen. Dieser Hinweis in der Zutatenliste auf der Verpackung ist allerdings so winzig, daß es zum Lesen einer Lupe bedarf, die Greenpeace den real-Kunden zur Verfügung stellt.
"Wir fordern die real-Geschäftsführung auf, den Verkauf genmanipulierter Schokoriegel sofort zu stoppen", sagt Klaus Müller, Sprecher der Greenpeace Gruppe München, "sonst wird den real-Kunden weiter Genfood untergeschoben."
Nach einer Erhebung eines niederländischen Marktforschungsunternehmens trägt der Hinweis in der Zutatenliste nicht zur Verbraucheraufklärung bei. 85 Prozent der Befragten in den Niederlanden hatten gekennzeichnete Gentech-Produkte zwar gekauft, es aber nicht gemerkt. Eine bewußte Kaufentscheidung gegen Gentechnik wird also schwierig. Greenpeace fordert: Überall wo Gentechnik drin ist, muß auch Gentechnik draufstehen und zwar deutlich.
"real fällt hier freiwillig vor dem Gentechnik-Konzern Nestlé auf die Knie", so Klaus Müller, "dabei sind Gesundheitsrisiken nicht auszuschließen."
Gentech-Mais aus den USA wurde im Labor ein Antibiotika-Resistenz-Gen eingebaut. Auf dem Acker oder im Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren könnte dieses Gen von Bakterien aufgenommen werden. Als Folge könnten gefährliche Krankheitserreger mit den gebräuchlichen Antibiotika nicht mehr wirksam bekämpft werden, weil sie gegen solche Medikamente resistent geworden sind. Vor dieser Gefahr warnten kürzlich außer der Berliner Ärztekammer auch Verbraucher- und Ärzteverbände. Aus dem gleichen Grund bestehen in Norwegen, Österreich und Luxemburg Importverbote für diesen Gentech-Mais und in Frankreich wurde der Anbau bis auf weiteres verboten.
Greenpeace fordert den Verzicht auf die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen in Lebensmitteln oder als Tierfutter sowie eine deutliche Kennzeichnung aller genmanipulierten Lebensmittel vom Acker bis auf den Teller.




