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Pressemitteilung vom 22.10.98

Gentechnisch veränderte Sondennahrung am Deutschen Herzzentrum München ?

Im Januar 1998 kündigte die Firma Nestlé Clinical Nutrition - eine Tochter der Nestlé AG - an, in ihrer Sondennahrung gentechnisch verändertes Soja-Eiweiß zu verarbeiten. Sondennahrung wird von Nestlé unter den Markennamen Sondalis und Salvimulsin verkauft. Sie geht nicht in den freien Handel, sondern wird über Vertreter direkt an den Krankenhäusern vertrieben. Nestlé kennzeichnet Produkte mit gentechnisch veränderten Bestandteilen lediglich im Kleingedruckten in der Zutatenliste.

Die Greenpeace Gruppe München hat mehrere Krankenhäuser in München angeschrieben und nach dem Einsatz von gentechnisch veränderter Sondennahrung befragt. In ihren Antworten bestätigten das Kreiskrankenhaus Pasing, das Kreiskrankenhaus Perlach, das Städtische Krankenhaus Neuperlach, das Städtische Krankenhaus Harlaching und das Klinikum Rechts der Isar, daß sie keine gentechnisch veränderte Sondennahrung einsetzen.

Das Deutsche Herzzentrum hat auch nach drei schriftlichen Anfragen bis heute nicht geantwortet. Die fehlende Stellungnahme läßt eigentlich nur zwei Möglichkeiten zu sagt Klaus Müller, Sprecher der Greenpeace Gruppe München. "Entweder wird gentechnisch veränderte Sondennahrung bereits eingesetzt, oder man vertritt die Meinung, daß dies die Patientinnen und Patienten des Deutschen Herzzentrums schlichtweg nichts angeht."

Seit der ersten US amerikanischen Ernte gentechnisch veränderter Sojabohnen im Herbst 1996 gibt es in Deutschland eine öffentliche Diskussion um den Einsatz von Gentechnik in Lebensmitteln. Unterschiedliche Umfragen zeigen deutlich, daß die Mehrzahl der Verbraucher gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ablehnt. Aufgrund dieser Umfragen und vieler Proteste sichern - bis auf Nestlé - praktisch alle großen Lebensmittelhersteller den Verbrauchern zu, zumindest vorerst auf gentechnisch veränderte Rohstoffe zu verzichten.

Die breite Ablehnung in der Bevölkerung und die mit dem Einsatz der Gentechnik im Nahrungsmittelsektor verbundenen Gefahren müssen besonders auch in der Versorgung in Krankenhäusern berücksichtigt werden. Die Patientinnen und Patienten der Krankenhäuser haben ein Recht darauf zu erfahren, ob sie Gefahr laufen, Nahrungsmittel mit gentechnisch veränderten Bestandteilen zu erhalten.

"Die Verwendung von gentechnisch veränderten Rohstoffen in Spezialnahrung für Kliniken berührt einen besonders sensiblen Bereich, da Kranke in ihrer Situation Nahrungsmittel nicht bewußt auswählen können" sagt Müller. "Hier sollte das Vorsorgeprinzip angewendet werden. Gerade kranke Menschen sollten nicht den potentiellen Risiken gentechnisch veränderter Nahrung ausgesetzt werden" so Müller weiter.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 19. Oktober 2009 um 18:40 Uhr