Presseerklärung vom 31.08.98
Mit der Lupe zum Einkaufen - Bei Genfood auf das Kleingedruckte achten!
Mit einem Informationsstand am 31.08.98 von 10.00 bis 14.00 Uhr am Marienplatz weist die Greenpeace Gruppe München auf die morgen beginnende Kennzeichnungspflicht für genmanipulierte Mais- und Sojaprodukte hin. Künftig müssen die KundenInnen beim Einkauf die Zutatenliste sorgfältig studieren, wenn sie gentechnisch veränderte Lebensmittel vermeiden wollen. Nur ein winziger Hinweis auf der Verpackung verrät, ob das Produkt Bestandteile aus genmanipulierter Soja oder Mais enthält. Diese unauffällige Kennzeichnung widerspricht dem Willen der VerbraucherInnen. In einer Emnid-Umfrage vom Herbst letzten Jahres hatten sich mehr als 80 Prozent aller Befragten für ein erkennbares Logo ausgesprochen.
Doch nicht einmal, wenn der kleingedruckte Hinweis auf der Verpackung fehlt, können die VerbraucherInnen sicher sein, gentechnikfreie Ware zu kaufen. Es muß nur dann gekennzeichnet werden, wenn die gentechnische Veränderung im Endprodukt auch nachweisbar ist. Damit bleiben 80 bis 90 Prozent aller Produkte, bei deren Herstellung Gentechnik im Spiele war, von der Kennzeichnung ausgenommen. Zusatzstoffe wie genmanipuliertes Lecithin in Schokoladen und genmanipulierte Pflanzenöle in Margarinen und Speiseölen müssen nicht gekennzeichnet werden. Der Großteil der Lebensmittel auf dem deutschen Markt wird derzeit noch ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe hergestellt. Das wird von vielen deutschen Lebensmittel-Herstellern garantiert.
"Es ist ein Skandal, daß den Verbrauchern Genfood-Produkte schlecht oder gar nicht gekennzeichnet untergeschoben werden" sagt Klaus Müller, Sprecher der Greenpeace Gruppe München. "Überall wo Gentechnik drin ist, muß auch Gentechnik darauf stehen. Die VerbraucherInnen wollen und müssen bewußt entscheiden können, was sie essen. Gentechnikfreie Ernährung muß allen Menschen möglich sein, ohne mit der Lupe oder umfangreichen Herstellerlisten einkaufen zu gehen."
Die europäischen VerbraucherInnen sind in ihrer Mehrheit gegen Gentechnik im Essen. Dennoch wird der Lebensmittelriese Nestlé im September den Schokoriegel "Butterfinger" auf den Markt bringen, der gentechnisch manipulierten Mais enthält. Die Süßigkeit soll vor allem an Jugendliche verkauft werden, von denen sich Nestlé erklärtermaßen den geringsten Widerstand gegen Genfood erwartet. Erste Exemplare des "Butterfingers" entdeckte Greenpeace vor wenigen Tagen an Münchner Tankstellen. Keine der Verpackungen wies eine Kennzeichnung auf. Nestlé redete sich mit der Erklärung heraus, daß die Schokoriegel unbefugt und ohne Wissen des Konzerns aus den USA importiert worden seien.
"Jetzt können die VerbraucherInnen zeigen, daß sie Nestlè’s Gen-Produkte weder haben wollen noch kaufen werden", sagt Klaus Müller.
Greenpeace fordert den Verzicht auf die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen in Lebensmitteln oder als Tierfutter sowie eine deutliche Kennzeichnung aller genmanipulierten Lebensmittel vom Acker bis auf den Teller.




