Presseerklärung vom 2. Sept 2005
Müller erhält Milch von Gen-Maisbauern
Greenpeace informiert auf Städtetour über genmanipulierte Pflanzen in der Milcherzeugung
München, 2.9.2005 - Greenpeace informiert heute am Richard-Strauss-Brunnen, in der Fußgängerzone zwischen Marienplatz und Stachus über den Weg des genmanipulierten Maises als Kuhfutter bis zum Milchprodukt. Nach Greenpeace-Recherchen bezieht die Molkerei Theo Müller Milch von drei landwirtschaftlichen Betrieben, die derzeit auch den genmanipulierten Mais MON810 anbauen. Greenpeace setzt sich dafür ein, dass der umstrittene Mais nach der Ernte nicht an Milchkühe verfüttert wird. Verbraucher können den Protest auf der Greenpeace- Städtetour verstärken und sich vor Futtertrog und Kühlschrank-Kuh mit Protestschildern fotografieren lassen. Einige der Fotos präsentierte Greenpeace am Dienstag im Großformat vor der Müller-Zentrale in Aretsried mit der Forderung, die Milch dieser Landwirte nicht für Milchprodukte zu verwenden.
"Müller fördert den Anbau genmanipulierter Pflanzen, wenn er Milch von Gen-Maisbauern bezieht", sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. "Dabei können Unternehmen wie Müller ohne Probleme bei der Milchherstellung Gen-Mais vermeiden. Wenn sie das nicht tun, missachten sie die Wünsche der Verbraucher und gefährden ihr Markenimage." Der wenige in Deutschland wachsende Gen-Mais wird fast ausschließlich als Tierfutter verwertet. Deshalb muss Müller ausschließen, dass der Gen-Mais nach der Ernte an die Milchkühe verfüttert wird. Die Gen-Mais- Standorte der Milcherzeuger für Müllermilch befinden sich in Brandenburg - in Neureetz und Seelow/Gusow - sowie im sächsischen Hasselbachtal.
Die zweitgrößte deutsche Molkerei Humana Milchunion hat ihre zuliefernden Landwirte bereits verpflichtet, deutschen Gen-Mais nicht zu verfüttern. Auch der Konzern Landliebe/Campina ist im Gespräch mit Greenpeace. Beide Unternehmen wollen jedoch noch nicht vollständig auf Gen- Pflanzen im Futter, wie importierte Gen-Soja, verzichten. Dabei ist auch dies möglich: Die Upländer Bauernmolkerei vertreibt seit Juni dieses Jahres Milch mit dem Siegel "ohne Gentechnik", die Großmolkerei NÖM AG in Österreich hat ihre gesamten Frischmilch-Produkte auf "Gentechnikfrei" umgestellt. Auch in der Schweiz und in Schweden haben Lebensmittelhersteller durchgesetzt, dass keine Gen-Pflanzen in der Milchvieh-Fütterung verwendet werden.
In Supermärkten gibt es bislang keine als Gen-Food gekennzeichneten Lebensmittel, da die meisten Verbraucher Gentechnik ablehnen. Tierische Produkte wie Milch, Fleisch oder Eier, die von Tieren stammen die mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden, müssen jedoch nicht gekennzeichnet werden. Verbraucher können daher nicht erkennen, ob Gen-Pflanzen im Spiel waren. Viele Molkereien nutzen diese Kennzeichnungslücke aus.
Weltweit kämpft Greenpeace gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen, da sie Ökosysteme und die gentechnikfreie Landwirtschaft zerstören können. Auch gesundheitliche Risiken sind noch weitgehend unerforscht. In Deutschland wird dieses Jahr auf rund 345 Hektar Gen-Mais angebaut. Die Pflanze produziert ein Gift, das auf Schädlinge wie den Maiszünsler tödlich wirkt. Das Bt-Gift kann jedoch auch geschützte Insekten schädigen und sich im Boden anreichern. Österreich, Ungarn, Griechenland und Polen haben den Anbau des Gen-Maises verboten. Nur in Spanien, Tschechien und Deutschland wird der Gen-Mais kommerziell angebaut.




